Fokusthemen
Für eine vertiefende Untersuchung im Resilienz-Check priorisieren wir zwei alternative Fokusthemen für das Infrastruktursystem Abfall. Die Auswahl erfolgte auf Grundlage zentraler Bewertungskriterien, wobei die Eignung für szenariobasierte Analysen eine besondere Rolle spielte. Diese wurde danach beurteilt, inwieweit ein Thema plausible, divergierende Zukunftsentwicklungen eröffnet und dabei zentrale Einflussfaktoren sowie ihre Wechselwirkungen und Unsicherheiten analytisch zugänglich macht. Ergänzend wurden die Technikfolgenrelevanz, der Bezug zu relevanten Trendclustern und Emerging Issues sowie der Beitrag zur Stärkung zentraler Systemeigenschaften (Anpassungsfähigkeit, Robustheit, Agilität) berücksichtigt. Die vorgeschlagenen Fokusthemen sind so gewählt, dass sie grundsätzlich auch für eine vertiefende Bearbeitung im Rahmen weiterer Formate des TAB geeignet sind.
Fokusthema 1: Digitale Technologien zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft
Die Digitalisierung abfallwirtschaftlicher Prozesse hat das Potenzial, die Kreislaufwirtschaft nachhaltig zu stärken, und wird daher zunehmend vorangetrieben. Bislang kommen digitale Technologien jedoch vor allem in einzelnen Prozessschritten der Abfallwirtschaft oder bei spezifischen Abfallströmen zum Einsatz. Viele Lösungen befinden sich noch in der Erprobung. Hohes Potenzial bieten beispielsweise die Schaffung von Datenökosystemen für den Informationsaustausch entlang der Wertschöpfungskette sowie digitale Technologien in Aufbereitung, Sortierung und Trennung, etwa KI-gestützte Störstofferkennung sowie der Einsatz von Sensoren und Robotik. Gleichzeitig steht die technologische Führungsposition Deutschlands unter Druck. Während in anderen Ländern die Zahl der Patente zunimmt, ist sie in Deutschland eher rückläufig. Im Rahmen des Resilienz-Checks kann szenariobasiert untersucht werden, welches Potenzial innovative digitale Ansätze im Infrastruktursystem Abfall für die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft bieten.
Fokusthema 2: Vorausschauende Klimaanpassung und Krisenvorsorge im Infrastruktursystem Abfall
Im Zuge des Klimawandels nehmen Extremwetterereignisse zu und gefährden das Infrastruktursystem Abfall auf zwei Arten. Einerseits können Prozesse und Anlagen des Infrastruktursystems direkt von Schäden und Ausfällen betroffen sein. Andererseits generieren manche Katastrophenereignisse, wie beispielsweise Fluten, hohe Abfallmengen, mit denen das System umgehen muss. Dies macht die Vorbereitung und Anpassung kritischer Stellen im Infrastruktursystem sowie die Kapazitätsplanung für den Katastrophenfall essenziell. Die Maßnahmen reichen von der zusätzlichen Befestigung von beispielsweise Sammelstandorten bis hin zur Prüfung des Einsatzes technologischer und digitaler Werkzeuge wie digitale Zwillinge oder Mikrorecyclingfabriken – wie im Trendcluster „Wandel in der Abfall- und Kreislaufwirtschaft durch neue Verfahren und digitale Technologien“ dargestellt. Im Rahmen des Resilienz-Checks kanns szenariobasiert untersucht werden, welche Entwicklungen die Klimaanpassung und die Krisenvorsorge im Infrastruktursystem Abfall prägen und welche Auswirkungen unterschiedliche Zukunftskonstellationen mit sich bringen.
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) (2026): Foresight-Report zum Infrastruktursystem Abfall. Kernergebnisse (Autor/innen: Bledow, N.; Kehl, C.; Kahlisch, C.; Evers-Wölk, M.; Riousset, P.). Berlin. https://foresight.tab-beim-bundestag.de/reports/abfall