Fokusthemen
Für eine vertiefende Untersuchung im Resilienz-Check priorisieren wir zwei alternative Fokusthemen für das Infrastruktursystem Staat und Verwaltung. Die Auswahl erfolgte auf Grundlage zentraler Bewertungskriterien, wobei die Eignung für szenariobasierte Analysen eine besondere Rolle spielte. Diese wurde danach beurteilt, inwieweit ein Thema plausible, divergierende Zukunftsentwicklungen eröffnet und dabei zentrale Einflussfaktoren sowie ihre Wechselwirkungen und Unsicherheiten analytisch zugänglich macht. Ergänzend wurden die Technikfolgenrelevanz, der Bezug zu relevanten Trendclustern und Emerging Issues sowie der Beitrag zur Stärkung zentraler Systemeigenschaften (Anpassungsfähigkeit, Robustheit, Agilität) berücksichtigt. Die vorgeschlagenen Fokusthemen sind so gewählt, dass sie grundsätzlich auch für eine vertiefende Bearbeitung im Rahmen weiterer Formate des TAB geeignet sind.
Fokusthema 1: Autonome KI-Agenten in der Verwaltung als operative Infrastruktur
Autonome KI-Agenten gewinnen für das Infrastruktursystem an strategischer Bedeutung. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der staatlichen Leistungserbringung und der internen Verwaltungsprozesse sowie für die Stärkung des Infrastruktursystems bei zunehmend begrenzten personellen Ressourcen. Erste Anwendungen zeigen bereits das Potenzial, komplexe Aufgaben zu automatisieren und Prozesse effizienter zu gestalten, etwa in Planungs- und Genehmigungsverfahren. Ihr breiter Einsatz und ihre systematische Integration in staatliche Strukturen stehen jedoch noch am Anfang. Gleichzeitig stellen KI-Agenten das System vor neue Herausforderungen, etwa bei der IT-Sicherheit, beim Datenschutz und bei Haftungsfragen, aber auch durch mögliche neue Abhängigkeiten von Technologieunternehmen und externen Dienstleistern, Kontrollverlust und intransparente Entscheidungswege. Im Rahmen des Resilienz-Checks kann szenariobasiert analysiert werden, mit welchen Auswirkungen der Einsatz autonomer KI-Agenten auf die Prozesse, Leistungsfähigkeit und Organisation staatlicher Systeme verbunden ist und welches Potenzial besteht, die Resilienz des Infrastruktursystems Staat und Verwaltung zu stärken.
Fokusthema 2: Verlässlichkeit staatlicher Information im Kontext synthetisch erzeugter Medien
Die digitale Transformation verändert die Interaktion zwischen staatlichen Akteuren und Bürgern grundlegend und schafft zugleich neue Manipulations- und Angriffsflächen. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung bildet die zunehmende Verbreitung KI-basierter, synthetischer Medien (z. B. virtuelle Avatare oder Deepfakes), die die Erstellung täuschend echter Inhalte erleichtern. Neben kognitiven Verzerrungen nutzen automatisierte Accounts („Bots“) Social-Media-Algorithmen aus und fördern so die schnelle Verbreitung und wahrgenommene Glaubwürdigkeit von Desinformationen. Für Staat und Verwaltung entstehen daraus neue Verwundbarkeiten im Austausch mit Bürger/innen, Unternehmen und anderen staatlichen Einrichtungen. Gefälschte behördliche Inhalte können Vertrauen ausnutzen, etwa durch manipulierte Videos vermeintlicher Amtsträger. Im Rahmen des Resilienz-Checks soll szenariobasiert analysiert werden, wie sich synthetische Medien und KI-basierte Kommunikationsdynamiken auf die Funktionsfähigkeit und Legitimität von Staat und Verwaltung auswirken.
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) (2026): Foresight-Report zum Infrastruktursystem Staat und Verwaltung. Kernergebnisse (Autor/innen: Kahlisch, C.; Kehl, C.; Bledow, N.; Evers-Wölk, M.; Riousset, P.). Berlin. https://foresight.tab-beim-bundestag.de/reports/infrastruktursystem-staat-und-verwaltung/