Infrastruktursystem Staat und Vewaltung – Kernergebnisse des Foresight-Reports
Das Infrastruktursystem Staat und Verwaltung umfasst die institutionellen Strukturen, durch die Recht gesetzt und durchgesetzt, öffentliche Sicherheit gewährleistet sowie Sozial- und Verwaltungsleistungen erbracht werden. Damit bildet es die institutionelle Grundlage für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft sowie für demokratische Teilhabe und rechtsstaatliche Ordnung. Das System schließt ein breites Spektrum parlamentarischer, exekutiver und judikativer Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ein, mit unterschiedlichen, teils verfassungsrechtlich verankerten Aufgaben und Zuständigkeiten.
Der Foresight-Report zum Infrastruktursystem Abfall bündelt die Ergebnisse des Resilienz-Radars. Beschrieben werden Trendcluster, die die zukünftige Systementwicklung maßgeblich beeinflussen könnten, sowie systemische Risiken und bestehende Pfadabhängigkeiten, die das Erreichen von Transformationszielen erschweren oder unterstützen. Den Abschluss bilden drei Fokusthemen zur vertieften Untersuchung im Resilienz-Check. Eingebunden waren interne und externe Expert/innen.
Auf dieser Microsite finden Sie die Kernergebnisse des Foresight-Reports. Die vollständigen Ergebnisse können Sie demnächst hier herunterladen.
Das System von Staat und Verwaltung in Deutschland ist historisch gewachsen und durch eine komplexe, mehrstufige und föderale Struktur geprägt (vgl. Systembild). Es umfasst eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Aufgaben, Kompetenzen und Zuständigkeiten, die sich auf Bund-, Länder- und kommunaler Ebene verteilen. Die Steuerung erfolgt durch ein Zusammenspiel von parlamentarischen, exekutiven und judikativen Institutionen sowie durch hoheitliche und serviceorientierte Funktionen:Das System von Staat und Verwaltung in Deutschland ist historisch gewachsen und durch eine komplexe, mehrstufige und föderale Struktur geprägt (vgl. Systembild). Es umfasst eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Aufgaben, Kompetenzen und Zuständigkeiten, die sich auf Bund-, Länder- und kommunaler Ebene verteilen. Die Steuerung erfolgt durch ein Zusammenspiel von parlamentarischen, exekutiven und judikativen Institutionen sowie durch hoheitliche und serviceorientierte Funktionen:
Die parlamentarische Steuerung umfasst Bundestag, Bundesrat und Landtage als legislative Kerninstitutionen. Sie beschließen Gesetze, kontrollieren die Regierung und gestalten die politische Willensbildung durch Wahlen, Debatten und öffentliche Konsultationen. Zentrale Akteure sind Abgeordnete, Fraktionen, Ausschüsse sowie Parteien und Verbände, die an der Meinungs- und Entscheidungsfindung mitwirken.
Sie vollziehen Gesetze und erbringen öffentliche Aufgaben auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Die Bundesregierung, Landesregierungen und kommunalen Verwaltungen agieren in einer hierarchischen Struktur, gestützt auf Behörden und öffentliche Unternehmen. Die Aufgaben reichen von der Gewährung von Sozialleistungen im Einzelfall bis zur großflächigen Infrastrukturplanung, wobei die Länder und Kommunen im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten über eigene Verwaltungskompetenzen verfügen. Digitale Sicherheit, Open Data und nachhaltige IT-Infrastrukturen tragen zudem zu Vertrauen, Teilhabe und Ressourcenschonung bei.
Bürger/innen sowie Unternehmen und Selbstständige sind auf eine Vielzahl administrativer Leistungen angewiesen — von der Ausstellung von Dokumenten und Genehmigungen über die Bearbeitung diverser Anträge bis hin zu steuerlichen und gewerberechtlichen Verfahren. Diese Leistungen werden auf allen Verwaltungsebenen erbracht, zunehmend auch digital über E-Government-Portale. Zentrale Akteure sind Bundes-, Landes- und kommunale Behörden sowie nachgeordnete Einrichtungen.
Die Judikative sichert als unabhängige Gewalt die Rechtmäßigkeit durch ein mehrstufiges Gerichtssystem, vom Bundesverfassungsgericht bis zu den Amtsgerichten. Richter/innen, Staats- und Rechtsanwält/innen handeln nach den Prinzipien der Unparteilichkeit und Gesetzesbindung. Die Justizverwaltung liegt bei den Ländern; die Verfahrensgesetze sind bundeseinheitlich geregelt.
Hoheitliche Sicherheitsfunktionen umfassen Verteidigung, Polizei, Nachrichtendienste und Zoll, die für Gefahrenabwehr, Strafverfolgung und Grenzschutz zuständig sind. Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern wird durch Gremien wie die Innenministerkonferenz koordiniert, basierend auf Polizeirecht und bundesweiten Sicherheitsgesetzen.
Die Stärkung der Resilienz im Infrastruktursystem Staat und Verwaltung erfordert eine gezielte Modernisierung zentraler Strukturen, um die Handlungs- und Leistungsfähigkeit des Staates unter Bedingungen digitaler, gesellschaftlicher und ökologischer struktureller Veränderungen langfristig zu sichern. Drei zentrale Transformationsziele konnten für das Infrastruktursystem identifiziert werden:
Organisations- und Personalmodernisierung: Eine zukunftsfähige öffentliche Verwaltung erfordert moderne Arbeitsweisen, Führungsstrukturen und Formen der Zusammenarbeit Dazu gehören der Aufbau einer zeitgemäßen Führungskultur, die Förderung von Motivation und Leistungsorientierung sowie die Etablierung professioneller Change-Management-Strukturen. Moderne Arbeitsformen – agil, hybrid oder kollaborativ – können mehr Flexibilität und Innovationsfähigkeit schaffen. Gleichzeitig sind Qualifizierung und kontinuierliche Weiterbildung entscheidend, um den wachsenden Kompetenzanforderungen gerecht zu werden.
Digitalisierung und technologische Modernisierung: Die Digitalisierung bildet eine zentrale Grundlage für höhere Effizienz, Transparenz und Krisenfestigkeit des Infrastruktursystems. Der Ausbau nutzungsfreundlicher E-Government-Angebote, die Automatisierung von Prozessen, der Einsatz KI-gestützter Verfahren sowie die Konsolidierung interoperabler IT- und Registerstrukturen stärken die Leistungsfähigkeit der Verwaltung. Digitale Sicherheit, Open Data und nachhaltige IT-Infrastrukturen tragen zudem zu Vertrauen, Teilhabe und Ressourcenschonung bei.
Ökologische Nachhaltigkeit und Klimaneutralität: Angesichts des Klimawandels sind umfassende Maßnahmen erforderlich, um die Treibhausgasemissionen des Infrastruktursystems Staat und Verwaltung zu senken und damit einen Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität Deutschlands bis 2045 zu leisten. Klimaneutrale Gebäude und Liegenschaften, nachhaltige Beschaffung, CO2-arme Mobilität und energieeffiziente IT-Strukturen sollen die Bundesverwaltung bis 2030 klimaneutral ausrichten. Dies gilt auch für die meisten Bundesländer, die ebenfalls Initiativen zur treibhausgasneutralen Landesverwaltung verabschiedet haben. Staat und Verwaltung übernehmen dabei eine Vorbildfunktion und leisten zugleich einen strukturellen Beitrag zur langfristigen Stabilität und Resilienz des Systems.
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) (2026): Foresight-Report zum Infrastruktursystem Staat und Verwaltung. Kernergebnisse (Autor/innen: Kahlisch, C.; Kehl, C.; Bledow, N.; Evers-Wölk, M.; Riousset, P.). Berlin. https://foresight.tab-beim-bundestag.de/reports/infrastruktursystem-staat-und-verwaltung/