Systembild und Schlüsselfaktoren
Cybersicherheit im Forschungsprozess bezeichnet die Gesamtheit politischer, organisatorischer und technischer Rahmenbedingungen, Kompetenzen und Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, Forschungsdaten in ihrer Vertraulichkeit und Integrität zu schützen.
Dazu gehört, IT-Infrastrukturen und digitale Arbeitsprozesse wirksam gegen digitale Angriffe, Manipulation und unbefugte Nutzung abzusichern, dadurch verursachte Störungen des Forschungsbetriebs zu vermeiden und zu bewältigen sowie die Funktionsfähigkeit, Belastbarkeit und Wiederherstellungsfähigkeit von Forschung langfristig sicherzustellen. Sie umfasst darüber hinaus die Stärkung digitaler Souveränität sowie die Schaffung sicherer und vertrauenswürdiger Rahmenbedingungen für internationale Forschungskooperationen. Diese Aufgabe betrifft die gesamte Forschungslandschaft gleichermaßen, angefangen von der Forschung an Universitäten, Fachhochschulen und Universitätskliniken über die außeruniversitäre Forschung an öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen bis hin zur Ressort- und Drittmittelforschung.
Im Resilienz-Check 2025/2026 wurden über 60 gesellschaftliche, wissenschaftlich-technologische, umweltbezogene, wirtschaftliche sowie politisch-rechtliche Einflussfaktoren identifiziert und daraus 19 besonders wirksame Schlüsselfaktoren priorisiert. Die Schlüsselfaktoren wie das Sicherheitsbewusstsein von Beschäftigten an Forschungseinrichtungenlassen sich drei zentralen Handlungsdimensionen von Cybersicherheit im Forschungsprozess zuordnen (siehe Abbildung): dem Schutz und der Integrität von Forschungsdaten, dem Aufbau von Kompetenzen und Governance in Forschungseinrichtungen sowie der Stärkung digitaler Souveränität und vertrauenswürdiger internationaler Kooperationen. Übergreifende Entwicklungsdynamiken wie KI-basierte Cyberkriminalität oder Cybersicherheitsregulierung wirken auf diese drei Dimensionen ein. Insgesamt verdeutlicht die Analyse damit das komplexe und eng verflochtene Zusammenspiel der Faktoren, die Cybersicherheit im Forschungsprozess prägen: gesellschaftlich vor allem durch das Spannungsfeld von Offenheit und Sicherheit sowie durch Kompetenzfragen, technologisch durch historisch gewachsene und komplexe IT-Systeme bei gleichzeitig hoher Innovationsdynamik, wirtschaftlich durch Fachkräftemangel und wachsende Abhängigkeiten sowie politisch bzw. rechtlich durch Fragen der digitalen Souveränität und Koordination sowie durch Regulierungsmaßnahmen.
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) (2026): Resilienz-Dossier Cybersicherheit im Forschungsprozess. Kernergebnisse (Autor/innen: Evers-Wölk, M.; Bledow, N.; Kahlisch, C.). Berlin. https://foresight.tab-beim-bundestag.de/cybersicherheit-im-forschungsprozess