Zukunftsszenarien zur Cybersicherheit im Forschungsprozess 2030+
Auf Grundlage der identifizierten Schlüsselfaktoren wurden im Resilienz-Check drei konsistente Zukunftsszenarien entwickelt, die unterschiedliche, jeweils in sich stimmige Entwicklungspfade bis zum Zeithorizont 2030+ beschreiben.
Hierzu wurden für jeden Schlüsselfaktor zunächst drei mögliche zukünftige Ausprägungen definiert, die unterschiedliche Entwicklungspfade des jeweiligen Faktors abbilden. Anschließend wurden die Wechselwirkungen zwischen diesen Ausprägungen analysiert und zu konsistenten Kombinationen verdichtet. Konsistenz bedeutet dabei, dass die in einem Szenario zusammengeführten Ausprägungen der Schlüsselfaktoren in ihren wechselseitigen Beziehungen möglichst widerspruchsfrei und plausibel zusammenwirken.
Die drei Szenarien unterscheiden sich insbesondere grundlegend hinsichtlich des politischen Handlungsdrucks, der institutionellen Handlungsfähigkeit sowie des Grades der strukturellen und kulturellen Verankerung von Cybersicherheit im Forschungssystem:
Szenario 1: Hoher Handlungsdruck bei strukturellen Defiziten beschreibt eine Zukunft 2030+, in der sich die Bedrohungslage verschärft und die öffentliche Aufmerksamkeit für Cybersicherheit erhöht hat, strukturelle Schwächen des Forschungssystems, wie die Fragmentierung der IT-Systeme, Kompetenzdefizite und unzureichende Governance, jedoch weitgehend fortbestehen. Es besteht folglich ein hoher Handlungsdruck, dem keine entsprechend effektiven Maßnahmen gegenüberstehen.
Szenario 2: Politischer Sicherheitsfokus mit deutlichen Defiziten in der Umsetzung zeichnet demgegenüber eine Zukunft, in der Cybersicherheit politisch und strategisch deutlich stärker priorisiert wird, z. B. durch nationale Strategien, Regulierung und gezielte Förderprogramme. Diese politische Schwerpunktsetzung übersetzt sich jedoch nur unvollständig in die operative Praxis der Forschungseinrichtungen, sodass zwischen politischem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung eine spürbare Lücke bestehen bleibt.
Szenario 3: Resilientes System mit punktuellem Nachbesserungsbedarf entwirft schließlich eine Zukunft, in der es gelungen ist, Cybersicherheit sowohl politisch-strategisch zu verankern als auch strukturell und kulturell in den Forschungseinrichtungen zu etablieren. Zentrale Schwachstellen wurden weitgehend adressiert, sodass beispielsweise ein hohes Sicherheitsbewusstsein in den Forschungseinrichtungen entwickelt werden konnte und sich daher der verbleibende Handlungsbedarf auf punktuelle Nachbesserungen und die kontinuierliche Anpassung an neue Herausforderungen konzentriert.
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) (2026): Resilienz-Dossier Cybersicherheit im Forschungsprozess. Kernergebnisse (Autor/innen: Evers-Wölk, M.; Bledow, N.; Kahlisch, C.). Berlin. https://foresight.tab-beim-bundestag.de/cybersicherheit-im-forschungsprozess